„Neue Wege gehen“

Das Jahr 2020 ist von der weltweiten Corona-Pandemie geprägt. In dieser herausfordernden Zeit beweist sich der EDEKA-Verbund als eine Stütze der Versorgung mit Lebensmitteln in Deutschland. Die Vorstände der EDEKA AG, Markus Mosa, Claas Meineke und Martin Scholvin, blicken im Interview auf das Geschäftsjahr 2019 zurück, das vor allem von der Dynamik und Innovationskraft der selbstständigen Kaufleute geprägt war. Fest steht: Auch in Zukunft bleibt das genossenschaftliche Prinzip der wesentliche Treiber für Wachstum im Verbund.

Herr Mosa, beginnen wir mit dem Thema, das im Jahr 2020 alles andere überschattet: die Corona-Pandemie. Wie schätzen Sie die aktuelle Lage ein?

Markus Mosa: Das ist eine außergewöhnliche, historische Herausforderung für uns alle. Die Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft sind zurzeit noch nicht absehbar. Wir als Handelsunternehmen tun alles dafür, um die Versorgung der Menschen in Deutschland mit Lebensmitteln sicherzustellen. Unser großer Dank und Respekt gilt allen Kolleginnen und Kollegen im gesamten deutschen Lebensmitteleinzelhandel. Den EDEKA-Kaufleuten und ihren Teams, aber auch den Kolleginnen und Kollegen im Großhandel und in der Zentrale. In einer Situation wie dieser zeigt sich, dass sich alle drei Stufen im Verbund aufeinander verlassen können.

Markus Mosa, Vorstandsvorsitzender der EDEKA AG

Wie bewerten Sie aus heutiger Sicht das zurückliegende Geschäftsjahr?

Markus Mosa: 2019 war ein dynamisches Jahr – wenn auch nicht vergleichbar mit dem, was wir momentan erleben. Im vergangenen Jahr ist im deutschen Lebensmittelhandel vieles in Bewegung geraten. Entscheidend für mich aber ist die Erkenntnis: Das Prinzip des Unternehmer-Unternehmens hat sich wieder einmal als stark und erfolgreich bewährt.

Mein Fazit: Unser Modell des Unternehmer-Unternehmens ist wie kein anderes in der Lage, die Herausforderungen der nächsten Jahre aktiv anzugehen.

Markus Mosa

Vorstandvorsitzender

Wie hat sich der EDEKA-Verbund in diesem „bewegten“ Umfeld entwickelt?

Markus Mosa: Wir haben unser Kerngeschäft im klassischen Vollsortiment und unser Discountsegment gestärkt und unsere Marktposition ausgebaut. Gleichzeitig haben wir auch neue Wege für zusätzliches Wachstum erschlossen. Dabei können wir auf ein gut funktionierendes Warengeschäft bauen, das auf allen Stufen des Verbunds eng miteinander verzahnt ist – regional, national und international. Und das hohe Maß an Verbindlichkeit, das wir gegenüber Wettbewerb und Industrie heute an den Tag legen, gibt uns den nötigen Rückenwind für die ambitionierten Aufgaben, die vor uns liegen. Mein Fazit: Unser Modell des Unternehmer-Unternehmens ist wie kein anderes in der Lage, die Herausforderungen der nächsten Jahre aktiv anzugehen.

Wie spiegelt sich das in den Umsatzzahlen wider?

Markus Mosa: Mit einem Zuwachs von 5,2 Prozent lagen unsere Unternehmer deutlich über dem Branchenschnitt, auf vergleichbarer Fläche waren es immer noch 3,1 Prozent. Mittlerweile wird gut jeder zweite Euro im selbstständigen EDEKA-Einzelhandel erwirtschaftet. Auch Netto Marken-Discount hat sich in einem extrem angespannten Markt mit 1,2 Prozent Wachstum gut behauptet. Verbundweit verzeichneten wir 2019 ein Plus von 4,0 Prozent auf insgesamt knapp 56 Milliarden Euro.

Gleichzeitig werden die Stimmen lauter, die dem Handel zu große „Marktmacht“ vorwerfen.

Markus Mosa: Wir streben faire Beziehungen mit unseren Geschäftspartnern an. Wenn wir allerdings mit unbegründeten Preisforderungen für Markenartikel konfrontiert werden, müssen wir im Sinne der Wettbewerbsfähigkeit unserer Kaufleute auch reagieren. Die EU-Richtlinie zu unlauteren Handelspraktiken, die ursprünglich die Landwirtschaft schützen sollte, ist leider von der Industrie gekapert worden. Wir wehren uns gegen jede Verschärfung bei der Umsetzung in deutsches Recht, denn das würde sich einseitig zulasten der Händler und letztlich der Verbraucher auswirken.

Claas Meineke, Vorstand Vertrieb und Marketing

Herr Meineke, inwieweit achten Kunden neben Preis und Qualität auch auf verantwortliches Handeln bei der Herstellung und Distribution von Produkten?

Claas Meineke: Dieses Kriterium wird bei Kaufentscheidungen tatsächlich immer wichtiger. Und wir als Händler tun viel dafür, unserer Verantwortung gerecht zu werden. Gerade unsere eigenen Marken geben uns die Chance, in puncto Nachhaltigkeit ein hohes Tempo zu gehen. Nehmen Sie das Drogeriesortiment: Hier haben wir zuletzt eine Naturkosmetik-Linie, Reinigungsmittel mit ökologischen Rezepturen und ein Siegel für mikroplastikfreie Produkte an den Start gebracht. Auch mit dem Thema Verpackungsreduktion beschäftigen wir uns intensiv, Hand in Hand mit unserem Kooperationspartner WWF.

Herr Scholvin, wie gelingt es EDEKA in einem engen Wettbewerb noch Wachstumspotenziale zu schaffen?

Martin Scholvin: Das, was wir an Erträgen erwirtschaften, stecken wir direkt wieder in die Weiterentwicklung unseres Geschäfts. Allein im Geschäftsjahr 2019 haben wir 1,7 Mrd. Euro in unsere Handelsinfrastruktur investiert, also in Expansion, Logistik, IT oder Produktionsbetriebe. Angesichts des demografischen Wandels wird es auch immer wichtiger, in Gewinnung und Bindung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu investieren.

Angesichts des demografischen Wandels wird es immer wichtiger, in Gewinnung und Bindung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu investieren.

Martin Scholvin

Vorstand Finanzen und Personal

Ist EDEKA denn heute für Bewerber, gerade für junge Leute, noch „relevant“?

Martin Scholvin: Absolut. Das liegt erstens daran, dass wir unser Ausbildungsangebot permanent weiterentwickeln – der „Frischespezialist“ ist dafür das beste Beispiel. Zweitens sichern wir die Qualität der Ausbildung durch geprüfte Gütesiegel wie „zertifizierter Ausbildungsbetrieb“ ab. Und drittens gelingt es uns auch immer besser, Schulabgänger mit unseren Kampagnen zu erreichen und die richtigen Botschaften zu setzen.

Martin Schovin, Vorstand Finanzen und Personal

Herr Meineke, warum investiert EDEKA in neue Fachmarktkonzepte?

Claas Meineke: Der Besuch im Fachmarkt ist fester Bestandteil des Einkaufsverhaltens vieler Verbraucher. In der Vergangenheit haben Vollsortimenter signifikante Umsatzanteile verloren, vor allem an Drogerie- und Bio-Märkte. Die wollen wir uns zurückholen und gleichzeitig neue Kundengruppen für unsere Kaufleute gewinnen. Mit trinkgut haben wir bereits bewiesen, dass wir Fachhandel können – mit BUDNI und NATURKIND trauen wir uns das ebenfalls zu.

Und welche Rolle spielt der Online-Handel mit frischen Lebensmitteln für Sie?

Claas Meineke: Bislang sprechen wir hier von einer Nische mit einem Prozent Umsatzanteil. Aber das kann sich ändern. In der aktuellen Situation rund um die Corona-Pandemie erleben Online-Lieferdienste gerade einen Run auf ihre Angebote. Wir alle sind gespannt, wie nachhaltig dieser Trend sein wird. Auch im EDEKA-Verbund testen wir zurzeit verschiedene Konzepte. Fakt ist: Digitale und mobile Lösungen bieten dem Handel noch viele Chancen, um das Einkaufserlebnis für die Kunden zu verbessern.

Fakt ist: Digitale und mobile Lösungen bieten dem Handel noch viele Chancen, um das Einkaufserlebnis für die Kunden zu verbessern.

Claas Meineke

Vorstand Vertrieb und Marketing

Wir sprachen schon über Nachhaltigkeit im Sortiment. Wie wichtig ist es, Verantwortung auch für die Gesellschaft zu zeigen?

Markus Mosa: Wir nehmen unsere Verantwortung ernst, denn sie ist schon in unsere genossenschaftliche DNA eingeschrieben. Gerade in der jetzigen schwierigen Zeit erfahren wir sehr viel Dank und Solidarität von den Menschen in Deutschland. Noch nie zuvor wurde so deutlich, wie „systemrelevant“ unsere Arbeit ist – also welchen wichtigen Beitrag wir zur Aufrechterhaltung eines funktionierenden Zusammenlebens leisten. Ich gebe diesen Dank an alle 380.000 Kolleginnen und Kollegen im EDEKA-Verbund weiter, die Tag für Tag großen persönlichen Einsatz zeigen.