„Wertvoller als jedes Konjunkturprogramm“

Ein Jahr voller Dynamik liegt hinter dem deutschen Lebensmitteleinzelhandel: Ein intensiver Wettbewerb, harte Verhandlungen mit der Markenindustrie, zunehmender politischer Gegenwind und sich wandelnde Verbraucherbedürfnisse waren prägende Faktoren. Doch auch 2018 blieb der EDEKA-Verbund auf klarem Kurs und stärkte seine Marktposition. Lokal handeln, überregional denken – das genossenschaftliche Prinzip erweist sich als Treiber für die Zukunftsfähigkeit von EDEKA.

Herr Mosa, der EDEKA-Verbund meldet für das Geschäftsjahr 2018 einen Rekord-Umsatz. Zudem steht die Marke EDEKA an der Spitze der Zufriedenheitspyramide der Verbraucher. Wie würden Sie das Jahr im Rückblick zusammenfassen?

Markus Mosa: 2018 war für uns ein erfolgreiches Jahr, in dem wir unsere Marktposition ausgebaut haben. Wieder einmal haben sich unsere EDEKA-Unternehmer als zuverlässige Wachstums- und Innovationstreiber bewiesen.

Was bedeutet das konkret, hinsichtlich der Umsatzentwicklung im Verbund und für den selbstständigen EDEKA-Einzelhandel?

Markus Mosa: Wir steuern unverändert auf einem profitablen Wachstumskurs. Auf Verbundebene verzeichneten wir 2018 ein Umsatzplus von 3,2 Prozent auf insgesamt 53,6 Milliarden Euro. Die beste Nachricht: Unsere Kaufleute tragen mit 27,6 Milliarden Euro mehr als die Hälfte dazu bei. Sie legten bundesweit um fast fünf Prozent zu, ein starker Wert. Auch Netto Marken-Discount konnte sich im harten Wettbewerb behaupten. Alles in allem eine exzellente Team-Leistung, auf allen Ebenen des Verbunds – denn die Rahmenbedingungen waren alles andere als einfach. Unser Dank geht an alle 376.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für ihren unermüdlichen Einsatz!

EDEKA: Markus Mosa im Gespräch

Zu unseren entscheidenden Erfolgsfaktoren zähle ich die Innovationskraft der EDEKA-Kaufleute und die Geschlossenheit im Warengeschäft.

Markus Mosa

Vorstandsvorsitzender

Apropos Rahmenbedingungen: Da wehte vergangenes Jahr ein scharfer politischer Gegenwind aus Brüssel, wenn man an die beschlossenen Richtlinien zu „Unlauteren Handelspraktiken“ denkt …

Markus Mosa: Was da vom Europäischen Parlaments ins Rollen gebracht wurde, war ein Frontalangriff auf die Vertragsfreiheit. Immerhin konnte die absurde Forderung nach einem Verbot von Genossenschaften noch verhindert werden. Doch der kurz vor Weihnachten überstürzt beschlossene Kompromissvorschlag zeigt, wie Klientelpolitik unsere wettbewerbliche Grundordnung gefährden kann. Die Zeche zahlt am Ende der Verbraucher.

In welcher Weise?

Markus Mosa: Der deutsche Einzelhandel, und hier insbesondere das inhabergeführte Vollsortiment, bietet den Verbrauchern ein im internationalen Vergleich führendes Preis-Leistungs-Verhältnis. Das ist wertvoller als jedes Konjunkturprogramm! Der aktuelle Vorschlag aus Brüssel schränkt unsere Verhandlungsoptionen drastisch ein - und die Risiken belasten den Verbraucher.

Herr Meineke, auch das Thema Digitalisierung bewegt die Handelslandschaft. Ist sie eher Fluch oder Segen für Lebensmittelhändler wie EDEKA?

Claas Meineke: Die digitale Transformation umfasst alle Geschäftsprozesse. Seit Jahren arbeiten wir intensiv daran, die Chancen der Digitalisierung für EDEKA zu nutzen – etwa mit einer vernetzen Warenwirtschaft oder im digitalen Marketing. Der Online-Handel mit Lebensmitteln ist nur ein Aspekt unter vielen – und da halten sich die deutschen Verbraucher nach wie vor zurück. Wir testen hier verschiedene Konzepte und fördern den Wettbewerb der Ideen. Ob in Kommunikation oder Vertrieb: Entscheidend ist es, auf allen Kanälen unterwegs zu sein, auf denen auch unsere Kunden sind.

EDEKA: Claas Meinecke Gespräch

EDEKA steht für Kundennähe und Genuss und ist die Marke für alle, die Lebensmittel lieben.

Claas Meineke

Vorstand Vertrieb und Marketing

In Zeiten zunehmenden Fachkräftemangels gewinnt die digitale Kontaktaufnahme mit potenziellen Mitarbeitern ebenfalls weiter an Bedeutung. Herr Scholvin, welche Lösungen bietet EDEKA den Bewerbern an?

Martin Scholvin: Hier gilt dasselbe Prinzip: Wir zeigen dort Präsenz, wo die Bewerber sind. Und das Smartphone ist für Schulabgänger und Absolventen der Hotspot. Wir haben daher im vergangenen Jahr nicht nur den Karrierebereich der Website neu gestaltet, sondern nutzen zunehmend auch Apps zur Ansprache junger Talente. Ein großes Potenzial sehe ich in der Integration von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte. Wir sind auf allen Stufen des EDEKA-Verbunds aktiv, um Praktika und Ausbildungsplätze für Geflüchtete zu schaffen.

Herr Mosa, welches sind für Sie die wichtigsten Ansatzpunkte für den weiteren Erfolg von EDEKA?

Markus Mosa: Unser Anspruch ist klar: Wir wollen unseren Vorsprung im Wettbewerb ausbauen und immer wieder neue Wachstumspotenziale erschließen. Auch jenseits der klassischen Geschäftsfelder. Zu den entscheidenden strategischen Hebeln zähle ich unsere Innovationskraft und Geschlossenheit im Warengeschäft. Zweitens die konsequente Nutzung digitaler Lösungen – nicht als Selbstzweck, sondern für das bestmögliche Einkaufserlebnis. Und schließlich auch das Übernehmen von Verantwortung. Das fordern nicht nur unsere Kunden von uns, es ist auch unser genossenschaftlicher Auftrag. Wir denken in Generationen, nicht in Quartalen.

Um für diese Herausforderungen gewappnet zu sein, bedarf es kontinuierlicher Investitionen. Herr Scholvin, was plant EDEKA in dieser Hinsicht?

Martin Scholvin: Was wir erwirtschaften, investieren wir grundsätzlich in unser Kerngeschäft, also in Standorte, IT, Logistik oder Produktion. Auch 2019 werden wir die Investitionen auf dem hohen Niveau der Vorjahre halten. Wachstum muss auch ertragreich sein, daher arbeiten wir parallel auch permanent an der Effizienz aller Prozesse. Auch der Ausbau der überregionalen Zusammenarbeit ist hier zu nennen. Gute Beispiele dafür aus dem vergangenen Jahr sind die Frischelogistik und der EDEKA Foodservice.

EDEKA Martin Scholvin Gespräch

Damit Wachstum auch ertragreich ist, arbeiten wir auf allen Stufen an der Optimierung unserer Effizienz.

Martin Scholvin

Vorstand Finanzen und Personal

Herr Mosa, Sie erwähnten eben das Stichwort „Warengeschäft“. Welche Rolle spielt hier die Zusammenarbeit im europäischen Bündnis AgeCore?

Markus Mosa: Als Unternehmen, das traditionell in Deutschland verwurzelt ist, bleibt uns gar keine andere Wahl. Die Kooperation mit unseren AgeCore-Partnern macht es doch erst möglich, auf Augenhöhe mit global agierenden Konzernen der Lebensmittelwirtschaft zu verhandeln. Das Bündnis eröffnet aber auch den Herstellern vielfältige Chancen auf zusätzliches Wachstum, etwa bei der Erschließung neuer Absatzmärkte. Am Ende profitieren alle Beteiligten, nicht zuletzt unsere Kunden.

Für die Verbraucher in Deutschland ist EDEKA untrennbar mit der Botschaft „Wir Lebensmittel“ verbunden. 2018 machten Sie das Rennen im Ranking der kreativsten deutschen Marken – wie haben Sie das geschafft?

Claas Meineke: EDEKA steht für Kundennähe und Genuss und ist die Marke für alle, die Lebensmittel lieben. Dieses Werbeversprechen wird Tag für Tag von den 3.700 selbstständigen EDEKA-Kaufleuten in ihren Märkten mit großer Leidenschaft eingelöst. Das macht unsere Kampagnen glaubwürdig und gibt uns die Freiheit, auch mal neue Ideen auszuprobieren – gerade in den digitalen Kanälen. Seit Anfang dieses Jahres zeigt die Kampagne noch mehr „Herz“ und bindet die Lebenswelten der Kunden stärker ein.

Herr Mosa, in diesem Jahr spielt auch das Thema Nachhaltigkeit in der Kommunikation eine große Rolle. Anlass ist die zehnjährige Partnerschaft von EDEKA und WWF. Welche Themen stehen hier denn aktuell im Mittelpunkt?

Markus Mosa: Nach dem Start zum Thema nachhaltige Fischerei haben wir die Zusammenarbeit Schritt für Schritt auf acht Themenfelder erweitert. Jedes davon ist mit ganz konkreten Zielsetzungen verknüpft. Daran arbeiten wir mit vollem Einsatz. Auf der öffentlichen Agenda stehen aktuell vor allem die Reduktion von Verpackungen, der Erhalt der Artenvielfalt oder die Verbeserung der Anbaubedingungen bei Obst und Gemüse. Für all das haben wir überzeugende Konzepte. Wir setzen nicht auf Aktionismus, sondern gehen Herausforderungen immer ganzheitlich an.